Blutegeltherapie
Blutegel – kleine Helfer mit großer Wirkung
Der Blutegel – Egel leitet sich aus dem Griechischen „echis“ ab, das „kleine Schlange“ bedeutet. Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden der Medizingeschichte. Erste Überlieferungen stammen aus Mesopotanien ca. 3000 v.Chr. In Europa ist die Therapieform von der Antike bis ins 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil der Heilkunst. Dies führte soweit, dass die Blutegel Anfang des 19. Jahrhunderts aufgrund des hohen Bedarfs fast ausgerottet wurden. Das Aufkommen der Schulmedizin hat die Therapieform wie viele andere traditionelle Heilverfahren in den Hintergrund gestellt.
Der Blutegel unterliegt dem Artenschutz. Er hat einen Saugnapf an Kopf- und Schwanzende, besitzt 3 Kiefer mit ca. 80 kleinen Zähnen, ernährt sich ausschließlich von Blut und ist sehr von den Außenbedingungen abhängig. Der Egel benötigt eine mittlere Außentemperatur, hohe Luftfeuchtigkeit, mag keine Hitze, Frost und Gewitter und ist morgens aktiver.
In der Medizin werden die Blutegelarten Hirudo medicinalis und verbana eingesetzt. Mit dem Kopfteil haftet sich der Egel um die Bissstelle fest. Bedingt durch die 3 Kiefer entsteht durch den Biss eine Mercedes-Stern-förmige Wunde. Im Magen des Egels werden die festen Bestandteile des Blutes und das Plasma getrennt und das Plasma ausgeschwitzt, was man an kleine klaren Tropfen erkennen kann. Die Blutegel nehmen je nach Größe 20-50ml Blut auf. Ungefähr die gleiche Menge wird nachgeblutet.
Wirkung der Blutegeltherapie
Die Behandlung wirkt wie ein kleiner Aderlass, der entstauend wirkt, das Ausleiten von Schlackstoffen ermöglicht, die Neubildung von Blut anregt und das Immunsystem aktiviert. Weil dies mit einem Flüssigkeitsverlust einhergeht, muss der Körper diesen ausgleichen, indem aus den Zellzwischenräumen eiweißarmes Exsudat in die Blutgefäße nachströmt. Dies sorgt für eine Verdünnung des Blutes, senkt den Hämatokritwert (Anteil roter Blutkörperchen), was zu einem besseren Blutfluss führt – gerade in schlecht durchbluteten Körperabschnitten.
Darüber hinaus verfügt der Speichel der Blutegel über zahlreiche (ca. 80-100) Speicheldrüsenproteine, die beim Saugakt abgegeben werden. Davon sind nur wenige bekannt und erforscht. Allen voran das Hirudin – ein Hemmstoff von Thrombin, dem wichtigsten Gerinnungsfaktor des Blutes. Die weiteren Inhaltsstoffe wirken ebenfalls gerinnungs-, aber auch entzündungshemmend, gefäßerweiternd (Histamin-ähnliche Substanzen), lymphstrombeschleunigend, leicht antibiotisch und schmerzlindernd.
Indikationen für die Blutegeltherapie
- Arthritis / Arthrosen
- Huferkrankungen, v.a.D. Hufrehe, Podotrochlose
- Bänder- und Sehnenerkrankungen
- Gallen, Phlegmone, Abszesse, Druckstellen, Ekzeme
- Hämatome, Prellungen, Quetschungen
- Wundheilungs- und Narbenstörungen
- Insbesondere bei allen Arten von schlecht heilenden Entzündungen
Kontraindikationen
- schlechter Allgemeinzustand (Fieber, Kachexie)
- Blutgerinnungsstörungen
- Blutarmut (Anämie)
- Bösartige (maligne) Tumore
- Histaminunverträglichkeit
- Immunsuppressiva (z.B. Cortison)
- Blutgerinnungshemmende Medikamente (z.B. Heparin) – Ausnahme: Hufrehe!
Nebenwirkungen
- Allergische Reaktionen (Schwellung, Juckreiz, anaphylaktischer Schock)
- Wundinfektion
- unkontrollierte Blutungen (ggfs. Arterienverlauf)
Rechtliches
Aufgrund ihrer medizinisch wirksamen Substanzen werden Blutegel als apothekenpflichtiges Fertighumanarzneimittel eingestuft. Deshalb ist nach dem neuen Tierarzneimittelgesetz aus Januar 2022 durch § 50 Absatz 2 TAMG vorgegeben, dass andere Personen als Tierärzte Blutegel nur anwenden dürfen, wenn dies vom behandelnden Tierarzt verordnet worden ist. Aus diesem Grund benötige ich für die Behandlung ein Rezept mit einer Behandlungsanweisung vom Tierarzt.